Essener Strasse

Die Essener Strasse in Oberhausen kann man, besser konnte man, als die Allee der Stahlindustrie in Oberhausen ansehen. An ihr, sowie entlang der Blick von der Essener Strasse - hinten Zeche OsterfeldOsterfelder Strasse, lagen die meisten Betriebe der ehemaligen GHH, später nach dem zweiten Weltkrieg HOAG genannt, ab 1971 dann Thyssen-Niederrhein-Oberhausen AG. Den endgültigen Niedergang der Stahlindustrie erfolgte dann unter dem Namen Thyssen-Stahl AG, die eigenständige Verwaltung wurde 1979 aufgegeben als die Entscheidung "Stillegung oder Weiterbetrieb mit dem recht kleinen, neu zu bauenden., Elektrostahlwerk getroffen werden musste. Die Essener Strasse war ursprünglich nicht als Gewerbegebiet oder als Werkgelände geplant, die sich ansiedelnde Industrie rückte vielmehr immer näher an diese Strasse heran und wuchs in Form von Brücken, Mauern und Werkteilen auch über sie hinweg.

Was man sich kaum mehr vorstellen kann, vor allem wenn man Bilder aus diesen Tagen anschaut: Es gab hier bis in die 1950er Jahre durchaus Wohnhäuser, Geschäfte und anderes ! Wie an einer ganz normalen Strasse auch, nur eben das die Hütte allgegenwärtig war und rund um die Uhr ihre Emissionen direkt in diese Umgebung verteilte. Ich kenne diesn Zustand nur aus Erzählungen, denke aber dass es für heutige Umstände wohl untragbar war. Aus Erzählungen meines Vaters weiss ich, dass regelmässig die Dächer einiger Hallen von dem niedergegangenen Staub der Thomas- und Martinstahlwerke befreit werden mussten um nicht einzustürzen. Weiter muss man tatsächlich auf Staub gelaufen sein sowie er sich auch wohl schmecken liess. Man war damals anscheinen nicht besonders besorgt darum, womöglich hatte man ganz andere Sorgen als heute und gar keine Zeit darüber nachzudenken.

Wie dem auch sei, mein erster Kontakt mit diesem Teil Oberhausens, immerhin bin ich in der (damals zumindest noch) ländlichen Idylle von Oberhausen-Königshardt aufgewachsen, dürfte ab den Jahren 1972- 1973 erfolgt sein. Das heisst das es zu diesem Zeitpunkt natürlich nur noch eine etwas entschärfte Version der "Essener" gab. Die Wohnbebauung war längst verschwunden, sicherlich auch einige Betriebsteile. Aber im allgemeinen noch ziemlich komplett vorhanden. Meine Erinnerungen sind natürlich nicht mehr sehr frisch, ausserdem bin ich damals wohl auch nie weiter als bis zum Hauptlagerhaus gekommen. Mein Vater arbeitete damals in der neuen Hauptverwaltung und wurde meiner Erinnerung nach relativ häugfig von meiner Mutter und mir dort abgeholt. Natürlich gab es damals längst nicht in jeder Familie ein Auto - auch in unserer nicht. Heute vielleicht kaum vorstellbar, aber wird sind dort mit dem Bus angereist und zu dritt, noch später auch zu viert, dann wieder zurück.

Erinnerungen existieren noch sehr dunkel an den Weg zur Hauptverwaltung, der dann über die Mülheimer Strasse dentlang der Essener Strasse führte. Ich sehe schwach den Hochofen A und seine umgebenden Anlagen, die manchmal in hellem Feuerschein erstrahlende Abgiesshalle wenn gerade ein Abstich stattfand. Etwas lebhafter ist die Erinnerung an eine grosse Gichtgasleitung die vom Ofen A über die Essener Strasse, vermutlich zum Gasometer führte. Ich hatte grosse Ehrfurcht vor dieser Leitung - das durchströmende Gas entwickelte ein deutlich hörbares Geräusch und ich meine auch die Abmasse dieser Leitung waren recht beeindruckend. Also, Papi an die Hand und schnell drunter durch ! Viel mehr kann ich nicht mit Sicherheit aus dieser Zeit berichten.

Das erste AutoDas erste Auto - Renault 6 TL

Irgendwann in der Mitte der 1970er Jahre wurde dann das erste Auto angeschafft, ich meine es war 1975 oder 1976. Das führte natürlich zumindest zu einer Reduzierung, wenn nicht sogar zur Einstellung der Busfahrten zur TNO. Und so verlor ich diese aus den Augen, mein Interesse galt in diesem Alter natürlich anderen Dingen und daher war es auch kein Problem für mich.

Das Interesse an der Industriegeschichte kehrte erst mit - ich kann es nur schätzen - mit ungefähr 12 Jahren zurück. Ich meine da im speziellen ein Heimatbuch über Oberhausener Norden, wo ich ja aufgewachsen bin. Es gab dort einst einige Kalkbrüche und Ziegeleien, und von diesen berichtete dieses Buch. Warum genau weiß ich nicht mehr, aber ich machte mich irgendwann auf die Suche nach Überresten dieser Anlagen. Allerdings erfolglos, aber das Interesse war geweckt. Es gab ja auch Erfolge, alte Schulhäuser , Bauernkaten oder Bachläufe liessen sich erfolgreich auffinden. Also erkundete ich die Umgebung, aber nicht unbedingt zur industriellen Spurensuche.

Die späteren Jahre

Das Interesse hieran kehrte erst mit dem Umzug nach Oberhausen-Ost zurück, als erneut die Zeugen der Schwerindustrie sichtbar wurden. Der Umzug erfolgte Anfang 1983, in diesen Jahren zwischen 1976 und 1983 war jedoch bereits ein Grossteil der Anlagen stillgelegt oder sogar bereits entfernt. Markant in Erinnerung sind das Dampfkraftwerk, das Skelett des stillliegenden Siemens-Martin Werkes, das noch recht neue Elektrostahlwerk und die Walzwerke und Drahtstrassen an Das Siemens-Martinwerk wird abgebrochen.der Osterfelder Strasse. Das wirkliche Herz des Stadtteils, die Eisenhütten Oberhausen I und II (EO I und EO II), gelegen vor "Klockes Brücke" an der Essener Strasse waren bereits dem Erdboden gleichgemacht. Der Hochofen A, einstmals der Stolz der TNO war 1979 stillgelegt und 1983 gesprengt worden. Ich habe ihn nicht mehr gesehen, ebenso wie das Thomas-Stahlwerk. Das Siemens-Martin-Stahlwerk durfte Ende der 1970er Jahre nicht weiter ohne Enstaubungsanlage betrieben werden, eine Investition in die Anlage war nicht interessant und so folgte die Stillegung des SM-Werkes und der anschliessenden Blockbrammenstrasse. Das dafür gebaute Elektrostahlwerk habe ich lange im Betrieb erlebt, ebenso wie das Zementwerk mit Steinfabrik und das Dampkraftwerk - dieses wurde aber stetig verkleinert und schliesslich MItte der 1990er Jahre abgebrochen. Alles in allem eine immer noch recht interessante Landschaft, wenn auch kein Vergleich zu den Jahren davor.

Oft habe ich die Arbeit in Umladehalle von der Brücke über die Essener Strasse beobachtet, die mit Stahlschrott beladenen Züge wurden in die Halle gedrückt und mit einem Magnetkran entladen. Der Schrott wurde im E-Stahlwerk eingeschmolzen, die fertigen Stahlblöcke wurden zum grössten Teil auswärts weiter verarbeitet. Wenn ich mich recht erinnere waren noch Walzwerke und eine Drahtstrasse im Betrieb, hier bin ich aber wieder für Infos dankbar. In Produktion waren zu dieser Zeit ebenfalls die Zeche und Kokerei Oberhausen-Osterfeld und Zeche Sterkrade.

Das Interesse an der ganzen Sache fiel 1986 mit Beginn der Berufsausbildung leider wieder steil ab, es war auch leider nie wirklich dauerhaft. Die meisten Bilder sind wohl eher dem Zufall zu verdanken, geplante Bildserien eher selten. Während der Lehrzeit blieb das Interesse latent bestehen, es gibt aber kaum Bilder aus dieser Zeit. Erst ab ca. 1991 habe ich die Chance genutzt das Zementwerk mit Steinfabrik abzulichten, der Abriss des Dampfkraftwerkes und der Lehrwerkstatt ist in kleinen Teilen festgehalten. Erst diese Bilder entstanden tatsächlich mit dem Gedanken, das Aussehen dieser Gebäude der Nachwelt zu erhalten. Aus irgendeiner Eingebung habe ich die davor entstandenen Bilder erstellt, heute ist Industrie eine Kultur.

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